WORMS. Nach der Gründung des „Verbandes der katholischen kaufmännischen Kongregationen und Vereine Deutschlands“ durch den in Alzey geborenen Dr. theol. Friedrich Elz, auf der Gründungsversammlung in Mainz vom 8. bis 10. September 1877 kam es in vielen deutschen Städten zur Gründung von Ortsgemeinschaften. Bereits 1881 gab es 32 Ortsgemeinschaften mit über 2.800 Mitglieder und dieser Zuwachs setze sich bis 1933 fort.
Gründung in Worms
Am 3. Dezember 1889 wurde in Worms im „Herrnkeller“, dem Vereinslokal an der St. Pauluskirche in Worms eine Ortsgemeinschaft durch Georg Illert, dem langjährigen ersten Vorsitzenden und weiteren Personen gegründet, die den Namen „Probitas“ (Rechtschaffenheit) Verein katholischer Kaufleute und Beamten als Namen wählte. Heute 125 Jahre später, feiert der Wormser Verein sein Jubiläum mit Fahnenweihe, und zwar am Sonntag, 7. Dezember, 9.30 Uhr, im Dom St. Peter.
Der Name Probitas ist das Alleinstellungsmerkmal im öffentlichen Auftreten in Worms und im Verband. Er nimmt Bezug auf die geforderten Fähigkeiten und das Verhalten nicht nur im kaufmännischen Berufsleben. Der Leitgedanken des Verbandes und des Wormser Katholischen Kaufmännischen Verein – KKV – war und ist seit 1885: „Ehrlich im Handel – christlich im Wandel – verankert im Glauben und offen für die Welt.“ Heute bestimmt das einheitliche Verbandssymbol mit dem Kreuzschiff, dem Schiff des Kaufmanns, das angetrieben wird vom Kreuze, die christlichen Wertvorstellungen.
Eine wichtige Rolle spielte die katholische Sozialpolitik, die der bedeutende Bischof von Mainz, Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler, während seiner Mainzer Wirkens von 1850 bis 1877 vertreten hat. Er erkannte frühzeitig die Bedeutung der sozialen Fragen, was dazu beitrug, ihn als „Sozialen Arbeiterbischof“ zu bezeichnen. Nicht zuletzt setzte er sich nachhaltig für die Freiheit der Kirche und der christlichen Schule ein, ebenso beeinflusste er die Organisation des kath-olischen Vereinswesens, die Jugendbildung und die Arbeiterfrage. Sein gesamtes Vermögen gab er für soziale Zwecke aus, mit der Folge, dass seine geistigen Zielsetzungen zum Ideengut aller christlichen Sozialreformer geworden sind.
Der KKV setzte sich aus diesen Hintergründen stets für die Förderung des religiösen Lebens, die fachliche und allgemeine Weiterbildung und die Pflege des gesellschaftlichen Lebens ein. Nach dem Willen der Gründer war und ist der KKV offen für alle katholischen Kaufleute, gleichgültig ob Unternehmer, Angestellten, Auszubildende oder Beamten offen.
Vor einen halben Jahrhundert entwickelte sich der KKV zu einer katholischen Gemeinschaft von Frauen und Männern aus Wirtschaft und Verwaltung und steht über den vorgenannten Personenkreis auch Hand-werkern, Angehörigen freier Berufe und des öffentlichen Dienstes offen. Über die Ziele der Gründerzeit hinaus wurde für den KKV das Leitwort eingeführt: „Dem Menschen dienen.“
Zu den Aktivitäten der Anfangsjahre gehörte die Einrichtung einer Stellenvermittlung für Arbeitsplatzsuchende, Bildungs- und religiöse Vorträge und jährlich wurde in der Fastnachtszeit eine karnevalistische Damensitzung angeboten.
Bereits auf dem 18. Verbandstag 1895 in Worms standen aktuelle Sozialprobleme im Mittelpunkt. Es wurden wichtige Beschlüsse zum Kündigungsschutz für Angestellte, zur Problematik der Arbeit am Sonntag und zum arbeitsrechtlichen Missbrauch von Auszubildenden und die Errichtung einer Unterstützungs-kasse, gefasst.
Er setzte sich mit anderen Wormser kaufmännischen Standesvereinen für einen arbeitsfreien Sonntag, Errichtung eines städtischen Stellennach-weis und 1896 für den „Acht-Uhr-Ladenschluss“ in Worms ein. Hierzu erfolgten Petitionen an den Reichstag, den Landtag und an die Stadt Worms. Der KKV war seit 1905 in dem städtischen Kaufmannsgericht, dem Schieds-gericht für kaufmännische Dienst- und Arbeitsverhältnisse ver-treten.
Im Oktober 1911 gründete sich neben dem Stammverein für Erwachsene, eine Jugendab-teilung, der Jung-KKV. Die Jugendlichen erhielten berufsbezogene Fortbildung und boten für die Wormser Bevölk-erung Theateraufführungen an.
Der Verein hatte am Ende des Krieges 23 gefallene Mitglieder zu beklagen. Im Vereinslokal Herrnkeller wurde im Juli 1919 eine Gedenktafel mit den Namen der Gefallenen angebracht.
In der Weltwirtschaftskrise wurde für die Arbeitslosen KKV-Mitglie-
der finanzielle Unterstützungslei-stungen gewährt.
So blühte der KKV Probitas Worms bis 1933, als die NSDAP und ihre Organisationen unter dem „Dritten Reich“ das Vereinsleben überwachte und zurückgedrängte. Schließlich wurde der KKV Probitas im Oktober 1938 wie auch alle über Deutschland verbreiteten Ortsgemeinschaften aufgelöst. So trafen sich einzelne KKVer auch weiterhin unter größter Gefahr, bis die zunehmenden Kriegsereignisse diesen Treffen im Jahre 1943 ein Ende setzten.
Wieder gegründet
Nach dem zweiten Weltkrieg setzten bereits im Sommer 1945 erste Bemühungen zur Wiederbegründung des KKV Probitas Worms ein. Federführ-end durch das Mitglied Anton Köhl konnte der Verein im September 1950 nach vielen Schwierigkeiten dieser Nach-kriegs jahre wieder gegründet werden. Erster geistlicher Beirat wurde Pfarrer Heinrich Kirchhoch an Liebfrauen. Bald darauf waren es Mitglieder wie Emil Dany und Helmut Arnold, die den Verein weiter entwickelten. Gesellschaft-liche Veranstaltungen wurden im Johanniterhof ausgerichtet.
Dem Wormser interessierten Publikum wurde unter dem Titel „Fragen unserer Zeit“ Vortrags-reihen in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Worms, Kolpingsfamilie und der kath-olischen Erwachsenenbildung im Bistum Mainz, die sich mit akt-uellen Themen aus Politik, Wirt-schaft, Religion und Wissen-schaft befassten angeboten. Namhafte Referenten wie Hans Küng und Richard von Weiz-säcker waren zugegen. Bildungs-reisen wurden in europäische Länder unternommen, so nach Italien in der Zeit des zweiten vatikanischen Konzils und Österreich oder 2014 nach Regensburg und Umgebung.
Mit dem erstarken der Vereins-tätigkeit in den 1960er Jahren werden jährlich Sozialprojekte im In- und Ausland durch Geldbe-träge unterstützt. Projekte waren die Priesterausbildung in Litauen, Kinderhort Boosstraße, „Jugend gegen Drogen“, soziale Notfälle in Wormser Pfarreien. Im Jahre 1983 wurde mit einem hohen Geldbetrag in einen Solidarfonds zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze ein weiteres Projekt gefördert. Heute sind es Entwicklungsprojekte des Ordens der Dominikanerinnen in Südafrika und 2014 eine Sachspende von 400 Schokoladen-Nikoläuse des Hl. Nikolaus an die Wormser Tafel, mit gleichzeitiger Unterstützung der Kinderhospizhilfe in Berlin und Halle/Saale.

